Wenn aus alten Snowboards in liebevoller Handarbeit richtig coole Longboards und Cruiser werden.

Vor einigen Wochen landete eine Nachricht in unserem Emailpostfach von Tobi und Jannik. Die beiden sind die Inhaber von » ReMount und haben die Chance genutzt, uns ihre Boardveredelungsschmiede vorzustellen. Wir waren direkt begeistert von der Idee, den Produkten und der Leidenschaft von Tobi und Jannik ausgediente Snowboards vor der Mülltonne zu retten und diese zu Rollbrettern zu upcyceln. Daher haben wir die Jungs direkt zu einem Interview eingeladen, damit wir mehr zu ReMount erfahren konnten und auch du Wind von den Snowboard-Recyclern bekommst.

Hi Tobi und Jannik, erstmal vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für das Interview genommen habt. Seid doch bitte so nett und stellt euch und euer Brand ReMount vor.

Jannik: Hey Mirco, wir danken dir! Wir beschäftigen uns innerhalb unseres Brands hauptsächlich mit dem Recycling alter oder kaputter Snowboards. Daraus lassen wir in Handarbeit nachhaltige und umweltfreundliche Rollbretter entstehen. Vom Longboard bis hin zum Mini Cruiser.

Tobi: Aus den, bei der Rollbrettproduktion anfallenden Resten der Snowboards machen wir Ketten und Armbänder, um so viel wie möglich des ursprünglichen Bretts wiederzuverwerten. Jannik ist studierter Ingenieur und ich studierter Kommunikationsdesigner. Wir dachten, dass das eine solide Basis ist und man die Kompetenzen sinnvoll verbinden kann.

Wie kam es zur der Idee von ReMount und wann wurde aus der Idee ein erstes Produkt?

Jannik: Wir hatten vor Jahren mal ein Snowboard mit der Stichsäge ausgeschnitten, Achsen drunter geschraubt und begript. Das war eher aus einer spontanen Laune heraus und hat so semi gut funktioniert, da das Teil auch viel zu weich war. Irgendwann war Tobi dann auf der Suche nach einem interessanten Thema für seine Bachelorarbeit. Hier hat er sich an die Snowboard-Longboard-Bastel-Aktion erinnert, die mittlerweile auch schon etwas zurück lag. Die Aufgabe war jetzt zu dieser Grundidee einen fiktiven, nachhaltigen Brand zu erschaffen und das dazugehörige Erscheinungsbild zu entwickeln. Das war die Basis und als wir die Bachelormappe zum ersten Mal in den Händen hielten dachten wir, dass es für die Schublade zu schade ist. Daraufhin haben wir begonnen aus dem bis dato fiktiven Produkt einen ersten Prototyp zu bauen, das war vor gut zwei Jahren.

Tobi: Genau, und so kamen vor allem die Fähigkeiten und die handwerklichen Kenntnisse von Jannik ins Spiel. Eine etwas untypische Vorgehensweise, da wir das Pferd von hinten aufgezäumt haben. Erst das Erscheinungsbild, dann das Produkt… Wir waren also praktisch gezwungen, dass die Boards auch funktionieren! (lacht)

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Wenn man sich eure Webseite, eure Produkte und eure handwerklichen Fähigkeiten anschaut, dann denkt man direkt: Die Jungs haben es richtig drauf und haben eine super Idee! Dabei war der Weg bis heute alles andere als leicht für euch. Was waren und sind denn eure größten Hindernisse bei der Realisierung eurer Vision von ReMount?

Danke, das nehmen wir gerne als Kompliment auf!

Jannik: Wie Tobi gerade angeschnitten hat, war das erste große Problem sicherlich, das erste Rollbrett aus einem Snowboard so hinzubekommen, dass es Spaß macht des Teil zu fahren. Denn wie man sich vorstellen kann ist ein Snowboard an sich viel zu weich. Also mussten wir uns mit dem Thema auseinandersetzen, wie wir die Teile steifer bekommen. Grundproblem bei Studenten ist wohl immer das liebe Geld – also woher nehmen, wenn nicht stehlen? Da vernünftige Werkzuge teuer sind wurde wie von Geisterhand der Werkzeugbestand unserer Väter immer knapper. (lacht)

Tobi: Richtig und aus der Geldnot hat Jannik dann eine Vakuumpresse zusammengeschweißt! Damit pressen wir eine Schicht Holz und teilweise Glasfaser auf die Snowboards, um sie Straßentauglich zu machen. Das gute Stück läuft auch heute noch. Wie schon erwähnt hatten wir keine finanzielle Basis. Wir waren also darauf angewiesen, alles was man sieht und anfassen kann irgendwie selbst zu machen.

Jannik: Nach abgeschlossener Prototypentwicklung gingen wir mit unserer Idee zum Gründercampus an die Universität Saarbrücken. Dort haben wir unser Konzept vorgestellt und letztendlich 10.000 € als Startkapital bekommen. Damit konnten wir dann endlich unser eigenes Werkzeug anschaffen, die ersten Rollbretter produzieren und schließlich eine alte Backstube zu einer Werkstatt umfunktionieren. Daher sind wir auch unter ReMount-Bakery bekannt (lacht).

Tobi: Ja, das Startkapital war ein super Ding! Gerade in Sachen Firmengründung, verschiedenen rechtlichen Fragen und all dem Zeug, wovon wir nicht wirklich den Plan hatten, hat uns die Uni super unterstützt.

Wenn man etwas erreichen will, gilt es ja immer sich motivierende, aber auch realistische Ziele zu setzen. Auf welche bisherigen Meilensteine seid ihr bei ReMount besonders stolz und was wollt ihr in den nächsten zwei Jahren alles erreichen?

Jannik: Ja, da hast du Recht! Die Motivation kommt dann meistens mit dem erreichen eines Zieles. Auch wenn wir uns anderthalb Jahre nach Firmengründung kein Gehalt auszahlen können, haben wir neben der Unterstützung vom Gründercampus viel erreicht.

Tobi: Zum Beispiel, dass wir die Retouren-Boards einiger Hersteller bekommen. Aktuell von Nitro, Rome, Flow, K2 und Head. Das Ganze beruht ja auf einem Win-Win Konzept. Die Snowboardhersteller müssen die Snowboards nicht mehr kostenpflichtig entsorgen lassen und zusätzlich bringt es ihnen Werbung im Sommer, da der Basecoat des Snowboards immer erhalten bleibt. Für uns ist der Gewinn, dass wir das Grundmaterial bekommen um daraus die Rollbretter zu bauen. Der bedeutendste Punkt aus Sicht der Hersteller, ist wahrscheinlich eine Transparenz gegenüber ihrer Kunden zu schaffen. Insbesondere auf die Frage hin: „Was passiert eigentlich mit den Retouren Boards.“ Hier kann man auf das gemeinsame Interesse zum Thema Nachhaltigkeit und Umwelt eingehen.

Jannik: Das setzt natürlich voraus dass ein hochwertiges Produkt dabei entsteht und wir keinen Unfug mit den Snowboards anstellen. An dieser Stelle das Vertrauen der Snowboardfirmen zu haben ist für uns sicherlich eine Art Ritterschlag.

Tobi: Ein weiterer Meilenstein war auch, dass wir bei der Kampagne „Supporter of the Independent“ von Jack Daniel’s ausgewählt wurden. Hier haben wir einen Imagefilm und 7000€ bekommen.

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Jannik: Ganz klar auch die Aktion mit der Pleasure. Zusammen haben wir eine schöne limited Edition entwickelt (aktuell noch im Shop). Beim Kauf eines Boards gibt es ein Jahresabo des Pleasure-Mags oben drauf. Eine ähnliche Aktion haben wir mit skate-aid am laufen, dabei werden 15% vom Boardverkauf direkt an die gute Sache gespendet.

Tobi: Ja es gibt sicherlich noch ein paar Erfolge. Wenn wir am Ende des Tages noch etwas damit verdienen würden, wäre es natürlich doppelt schön.

Das alles klingt auf jeden Fall mega spannend, aber auch nach verdammt viel Arbeit. Kommt ihr denn selber noch viel zum Boarden?

Jannik: Naja, das ist so eine Sache… Wenn wir damit Geld verdienen könnten, wahrscheinlich eher als jetzt. Dollar Dollar bill y’all! 😀

Tobi: Ja von Saarbrücken in den Schnee ist dann doch immer ein kleiner Act.

Wie sieht denn so ein typischer Arbeitstag bei euch aus?

Tobi: Zur Zeit können wir ReMount nur nebenher laufen lassen, damit wir Möglichkeiten haben noch anderweitig Geld zu verdienen. Daher gibt es auch gar kein geregelten oder typischen Arbeitstag. Wir müssen es immer so nehmen wie es kommt und auch oft sehr spontan reagieren.

Jannik: Typisch ist jedenfalls, dass man mit dem Betreten der Werkstatt erst mal Mukke anmacht. Dann wird erledigt was ansteht. Ob Bretter gebaut, Armbänder geschliffen oder verkaufte Boards verpackt werden kommt ganz auf die aktuelle Situation an. Eines ist jedoch immer gleich, wir sind ein gutes Team und haben unseren Spaß zusammen. Das macht das Ganze letzten Endes wohl auch aus!

Wenn unsere Leser jetzt direkt Lust bekommen haben aus ihrem Snowboard ein Longboard oder Cruiser zu machen, was wäre dann der beste Weg, damit ihr so schnell wie möglich zur Tat schreiten könnt?

Tobi: Am einfachsten in unserem Shop » www.remount.de in der Rubrik BYOB den gewünschten Shape auswählen und bestellen. Alles weitere klären wir dann via Mail oder Telefon. Ist alles geklärt bekommt man einen Versandschein von uns geschickt um sein Snowboard zu uns zu senden. Ab diesem Zeitpunkt kümmern wir uns um den Rest und nach etwa 10 Tagen kommt das liebgewonnene Snowboard als Rollbrett wieder zurück.

Jannik: So sieht´s aus. Dann kann die wilde Fahrt losgehen!

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Jungs, vielen Dank für das spannende Interview und die Einblicke, die ihr uns in ReMount gegeben habt. Wir wünschen euch maximale Erfolge für die Zukunft und mit Sicherheit werden wir euch bald auch mal ein altes Snowboard zum Umbauen schicken.