Die Fahrt vom Meer-Ich zum Stadt-Ich dauert rund eine Nacht und einen halben Tag. Innerhalb von fünfzehn Autostunden stellt sich mein Leben komplett auf den Kopf und ändert sich um 180 Grad. Vom Leben in einer Wohnung mit einem Job hinzu einem Leben im Bus am Meer. Und das Jahr für Jahr seit einer gefühlten und tatsächlichen Ewigkeit.

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Jahrelang schon zieht es mich ans Meer, mehrmals im Jahr. Früher haben mir viele oder auch kurze Reisen ans Meer ausgereicht. Schnell den Akku aufladen, Sonne und Salzwasser tanken und dann zurück in das Getrubel der Stadt. Das Meergefühl hielt mich lange gesund im Kopf und im Herz. Das war okay so. Ich war immer wieder bereit für das Leben weit weg vom Meer.

Schon verrückt, in der Stadt ist es laut und voll, man sieht morgens in der Bahn viele gestresste Gesichter die unglücklich zur Arbeit fahren und abends wird gefeiert und getrunken was das Zeug hält. Vielleicht um die Enge der Stadt auszuhalten. Vielleicht um gebrochene Herzen, vernünftige Jobs oder belächelte Zukunftsträume zu ertragen. Es ist als würde die Stadt alles ruinieren wollen. Als müsste man ihren Regeln folgen, zumindest montags bis freitags. Und zumindest so lange bis man genug gearbeitet hat um wieder zu entfliehen. Es ist ein schlichtes Abhängigkeitsverhältnis.

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Dann gibt es allerdings diesen einen Zeitpunkt, der alles ändert und der das Stadtleben erträglich macht. Der Moment, wenn ich meinen orangen Lieblingshut aus Australien aufsetze, meinen Bulli voll lade mit wirklich allem was ich mitnehmen will, die Bretter möglichst umständlich und eigenständig aufs Dach hieve, meine Lieblingsmusik aufdrehe und mit meinen Freunden losfahre. Und zwar ans Meer. Sobald ich im Auto sitze, bin ich der glücklichste Mensch unter der Sonne, denn ich weiß, dass ich endlich wieder mein Meer-Ich auspacken kann. Und das gefällt mir sehr. Es geht nicht mehr um die Stadt und ihre grauen anstrengenden Tage. Es geht um Sand im Bett, um zottelige Haare, um die Frage wo man am besten den Bulli parkt, wann die schönsten Wellen reinrollen und wo man den leckersten Fisch bekommt. Die Realität verschiebt sich und zwar zum Besseren. Plötzlich werden die belächelten Träume zur Möglichkeit und Menschen, die man auf der Reise trifft zu wichtigen Ratgebern und zur größten Inspiration.

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Es wird immer von der „perfekten Welle“ und der Suche nach dieser Welle geredet. Dabei glaube ich, dass es eigentlich gar nicht um die Welle geht. Diese Welle ist die Nebenrolle. Die Hauptrolle spielt das Leben, welches sich um diese Welle aufbaut. Und die Freiheit und das Glück, welche uns das Meer schenkt. Das Meer-Ich ist einfach zufrieden!

Mittlerweile sollte ich mich an diese zwei Leben gewöhnt haben. Aber irgendwie klappt das Jahr zu Jahr weniger und die Stadt saugt mir immer mehr Energie aus mir. Deswegen werden die Reisen ans Meer Jahr für Jahr länger. Aus wenigen Wochen sind Monate geworden. Das Meer gibt mir das zurück, was mein Stadt-Ich mir wegnimmt.

Irgendwann, das weiß ich, werde ich nicht mehr in die Stadt zurückkehren. Bis bald, Meer-Ich!

Mehr Geschichten von meinem und anderen Meer-Ichs findest du in meinem Magazin saltysouls.de. Schau gerne mal vorbei.

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