Wie ein Kurort zum Surfers Paradise werden könnte...

Surfen in einer Stadt in Deutschland und das jederzeit! Erste Assoziation: der legendäre Eisbach in München.

Projekte, bei denen stehende Wellen künstlich erzeugt werden sollen, sprießen aktuell wie Pilze an einem herbstlichen Regentag aus der Erde. Aber nicht jedes Projekt ist auch erfolgsversprechend. Ein heller Streifen am grauen wellenlosen Winterhorizont ist allerdings ein Projekt in Bad Reichenhall, dass uns bald konstanten Swell inmitten eines kleinen Kurorts zaubern könnte.

Für die Verwirklichung einer stehenden Flusswelle muss es zwei Dinge geben: Rahmenbedingungen, um eine Welle erzeugen zu können und vor allem Menschen die hinter diesem großen Projekt stehen. Das Projekt „Saalachwelle“ hat beides.

2012 wurde das Projekt der Saalachwelle in Bad Reichenhall von Margot und Holger Schönthier gegründet und hat bis heute einen enormen Zuwachs an interessierten Surfern und unterstützenden Händen erfahren. Schnell hat sich das Team vergrößert und die Pläne haben Form angenommen. Merlin Schönthier, einer der Initiatoren der „Saalachwelle“, stellt uns im Interview das Projekt genauer vor:

Merlin, erzähl uns kurz was über dich! Schließlich wollen wir wissen mit wem wir es zu tun haben…!

Servus zusammen! Ich heiße Merlin Schönthier, bin 22 Jahre alt und komme aus dem schönen Bad Reichenhall im Süden Deutschlands. Zur Zeit schließe ich mein Bachelorstudium in Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck ab. Wenn ich nicht studiere, arbeite ich an den europäischen Atlantikküsten als Surflehrer und bilde als Official ISA Course Presenter neue ISA Surf Instructor aus. Natürlich versuche ich aber auch mein Studentenleben zu genießen und so viel Zeit im Wasser, egal ob im Meer oder im Fluss, zu verbringen.

Wie ist die Idee zum dem Projekt entstanden?

Das ist eigentlich eine recht lustige Story: Meine Mutter, Margot Zeitvogel-Schönthier, war das ewige Warten auf den nächsten Surfurlaub Leid und kam während einer nächtlichen Eingebung auf die mögliche Idee, bei uns im Saalach Kanal, über den meine Eltern jeden Tag in die Arbeit fahren müssen, eine stehende Welle, wie die am Eisbach in München, zu bauen. Somit hat sie am 1. August 2012 die Facebook Seite „Die Saalachwelle in Bad Reichenhall“ gegründet. Fast über Nacht kamen dann 200 Likes dazu, worauf hin mein Vater, Holger Schönthier, gemeint hat, dass diese Idee sofort an den Bürgermeister weitergetragen werden muss. Dieser war sofort davon begeistert. Ich bin auf der anderen Seite komplett vom Hocker gefallen und habe sofort den Bereich Marketing, Communication und Social Media abgedeckt. Später kamen dann Dipl. Ing. Benjamin Di-Qual und MA Dipl. Ing. Stefan Klotz für den technischen Part, Christoph Zagorski für Mediendesign und Helmut Tischler als unserer juristischer Berater dazu.

Warum gerade in Bad Reichenhall? Gibt es besondere Bedingungen, die es sonst nicht gibt?

Bad Reichenhall kennt man ja eigentlich nur als Kurort oder wegen dem Salz. Was aber viele nicht wissen, ist, dass es hier auch die älteste Drahtseilbahn der Welt und das älteste Wasserkraftwerk Deutschlands gibt, welches dieses Jahr sein 100-jähriges Jubiläum gefeiert hat. Aus diesem Kraftwerk (Betreiber ist die Deutsche Bahn Energie AG), das seine Wassermassen aus dem Saalach Stausee bezieht, fließen, nachdem die fünf Francis-Zwillingsturbinen angetrieben wurden, bis zu 60 m3/s Wasser heraus. Der 600 Meter lange Kanal führt diese Wassermassen dann wieder in den ursprünglichen Flusslauf der Saalach zurück. In diesem Mündungsbereich, der eine Breite von 21 Metern aufweist, befindet sich ebenfalls ein Höhensprung, der bei der Entstehung von stehenden Wellen entscheidend ist. Aber jetzt mal weg von dem technischen Gelaber und einfach ausgedrückt: Die Saalachwelle in Bad Reichenhall wird die größte, künstliche erzeugte, stehende Flusswelle der Welt werden!

Wie soll das Projekt realisiert werden?

Alles was man für die Erzeugung einer stehenden Welle braucht sind eine kontrollierte Wasserdurchfluss- und Abflussmenge und ein Höhensprung an der richtigen Stelle. Dort läuft das Wasser über eine Rampe herunter und wird über einen Spoiler nach oben abgelenkt. Dadurch entsteht dann nichts anderes als ein Wasserhügel, auf dem man surfen kann (das Ganze ist in Realität natürlich ein bisschen komplizierter, aber hier einfach ausgedrückt). Wie dies ermöglicht werden kann, oder ob sich am oberen Kanallauf Wasser anstauen könnte, dass dann die Energieproduktion des Wasserkraftwerks vermindern würde, stellt gerade das Institut für Wasserbau der Universität Innsbruck fest. Die bisherigen Daten lassen aber auf ein positives Resultat schließen. Sobald dies beendet ist, wird das konkrete Design realisiert und Investoren kontaktiert, wobei es jedoch schon einige Interessenten gibt. Auch der bayerische Staat hat einen finanziellen Zuschuss angeboten.
Unser Ziel ist es dabei nicht nur eine Wassersportstätte zu gestalten, sondern auch eine Begegnungsstätte für Jedermann zu bilden, an der sich Jung und Alt treffen und das unglaubliche Flair des Surfens inmitten der bayerischen Alpen spüren können.

Kann jeder aktiv werden und wenn ja, wie kann man das Projekt Saalachwelle unterstützen?

Das einfachste, wie man uns helfen kann, ist ein Like auf unserer Facebook-Fanpage: www.facebook.com/DieSaalachwelle oder auf unserem Instagram-Account 21saalachwelle60.
Jeder Like stärkt unsere Lobby und zeigt, dass das Riversurfen nicht nur irgendeine Sportart weniger ist, sondern großen Zuspruch erhält. Wenn es dann letzten Endes soweit ist, dass Hilfe jeglicher Art benötigt wird, werden wir diese auf unseren Kanälen ausschreiben.

Bis dahin heißt es: posten, sharen, liken und sich auf die Saalachwelle in Bad Reichenhall freuen. Denn sie wird kommen! Und es wird bombastisch!