Hey Esther, erzähl uns doch mal ein wenig von deinem Projekt  der rollenden Longboardschule?

Viele Rollen auf vier Rollen…Eine Skateschule, die du nicht finden und suchen musst, denn der Workshop kommt zu dir: ans Ende der Welt, in die kleine galizische Schule, in die portugiesische Immigrantensiedlung oder in das mikroskopisch-kleine portugiesische Fischerdorf.
Ein einfacher Van mit Material bepackt: Helm, Schützern, Bretter, Achsen, Rollen und einer riesigen Motivation und Liebe fürs Coachen.

Und wenn die Flamme für das Longboarden entfacht ist, gibt es auch die Möglichkeit ein Brett im kleinen „Microshop“ zu kaufen. Dafür habe ich eine kleine, feine Selektion von Bastl Boards mit auf den Weg bekommen, die mir hilft das Projekt zu finanzieren.

Wie bist du auf diese außergewöhnliche Idee gekommen?

Skaten ist für mich Freiheit und Emanzipation, Stabilität und pure Lebensfreude. In Spanien und Portugal gibt es viele Menschen die Surfen, aber es gibt wahnsinnig viele Kinder und Erwachsene, die isoliert und ohne Kulturangebot leben.

Wie auch in Deutschland ist Übergewicht und Bewegungsmangel ein großes Thema. Mädchen und Frauen in ländlichen Regionen werden kaum bis gar nicht in männlich dominierten Sportarten gefördert.

Ich möchte die Kids und Erwachsenen erreichen, die sich nicht zutrauen sportlich Großes zu leisten. Daher möchte ich in Balance freie Kurse mit bezahlten Kursen mischen um Schüler zu unterrichten, die sonst auch finanziell nicht die Mittel hätten.

Richtig gefestigt hat sich die Idee, als ich mit Sportsisland Berlin und Gorilla Deutschland als Coach mit Kindern aus sozial gesicherten Verhältnissen und mit Kindern mit Behinderung oder in Übergangsklassen aus Flüchtlingskindern gearbeitet habe.
Man bekommt soviel zurück und man sieht auch wie sehr es Vorbilder und Coaches braucht, die Menschen als Menschen sehen, ganz gleich ihrer Herkunft oder Geschlechts. Wie vielen Menschen fehlt einfach eine Person die Ihnen sagt: „Du kannst das und ich bin hier, ich fange dich auf.“

Warum soll die Skateschule in Form eines Kleinbusses gestartet werden und nicht stationär?

Erstmal erreiche ich natürlich viel mehr Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen und Sozialschichten.

Es ist aber auch ein persönlicher Grund.
Ich bin vor fünf Jahren lebensbedrohlich erkrankt und plötzlich gibt es kein Planen über längeren Zeitraum mehr. An manchen Tagen kann ich nichts als Fotografin arbeiten, weil meine Augen es nicht zulassen. Gesundheitlich ist es für mich eine wichtige Entscheidung in Meeresnähe zu sein und die Möglichkeit zu haben flexibel zu sein, zu „flüchten“ wenn ich klimatisch bedingt mehr Schmerzen oder Komplikationen habe.

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© Esther Suave

Fehlende Infrastrukturen und Kulturangebote sind eher ein ländliches Phänomen und das überschneidet sich mit meiner Idee.
Dadurch, dass der Van auch mein Zuhause ist, spare ich die Miete und kann mich komplett mit meiner Zeit/Arbeitskraft den Kursen widmen.
Vor allem ist es einfacher Menschen fürs Longboarden zu begeistern, die sonst niemals gezielt danach gesucht hätten, es vielleicht aber am Dringendsten brauchen.

Was bedeutet das Longboarden für dich?

Longboarden ist für mich ein Anker, ich habe soviel Mut und Lebensenergie über das Skaten geschenkt bekommen.

Es ist ein Grund aufzustehen, weiterzumachen, rauszugehen, den Kopf zu leeren. Es gab Tage an denen ich keine Kraft hatte zu skaten, aber die Vorfreude auf die nächste Session und das Glücksgefühl, wenn ich wieder auf Rollen war, hat das alles wieder wettgemacht.
Ich habe gelernt mir mehr zu vertrauen und mich anzunehmen, mich selbst zu sehen und meinen Bedürfnissen treu zu sein. Mich mit meinen Schwächen und Ängsten zu konfrontieren, aber auch meine Stärken besser zu sehen.

Longboarden ist nicht an einen Ort, feste Zeit oder an Menschen gebunden.
Man kann mit dem Longboard reisen und an jedem Ort der Welt wird man Menschen finden, mit denen man etwas teilt und Landschaften entdecken kann ohne dabei CO2 auszustossen.

Wann hast du mit dem Skaten begonnen?

Vor fünf bis sechs Jahren. Ich hatte schon immer ein Herz für Sportarten, in denen man sich verausgaben kann, in denen man gefordert wird und die eher männerdominiert sind.

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© Marte Bosma

Wie oft verletzt man sich ?

Oft genug um sagen zu können, dass es nicht so schlimm ist.
Und nach einer Zeit wird es immer weniger. Und man lernt zu fallen.
Vor allem fällt man deutlich weniger, wenn man jemanden dabei hat, der einen von den schlimmsten Anfängerfehlern abrät.

Wie können wir dein Projekt unterstützen?

Ich habe eine Crowdfundingaktion ins Leben gerufen, die essentiell ist um den ersten Startschuss für das Projekt zu geben.
Ein Van kostet keine Miete, aber er kostet. Vor allem wenn es sich um so ein altes Exemplar handelt wie mein Van. Reparaturen und Treibstoff sind da die Hauptkosten.
Um den Van als Workshop und Minishop auszubauen, braucht es Geschick, aber auch ein einiges an Material.

Wenn euch die Idee gefällt würde ich mich riesig freuen, wenn ihr auch die noch so kleine Summe spendet um das Projekt zu rocken. Ich freue mich über jeden weiteren Tag an dem ich aufwache und die Kraft habe, die Dinge zu machen, die ich liebe. Und jeder Euro hilft dabei meine Kraft sinnvoll zu investieren. Danke dafür.

Ihr habt auch die Chance eure Spende gegen ein kleines handgestochenes Tattoo einzutauschen, eure Werbung auf dem Van zu platzieren oder Limitierte Auflage von Ethletic Schuhen mit meinen Zeichnungen zu ersteigern.

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